Plattenepithelkarzinom

…und manchmal bricht es heraus. Und deswegen muss ich es schreiben. Hier und darüber. Und immer wieder fehlen die Worte.

Februar, du grausames Mistvieh.

Mit dem Kater zum Tierarzt, nur um vorsichtshalber mal abzuklären, ob die partiell auftretenden Atmenschnorchelgeräusche vielleicht eine behandlungswürdige Infektion sind. Und dann höre ich sie sagen, dass dort eine Zubildung unter der Zunge ist. Und dann höre ich sie sagen, dass ihr das gar nicht gefällt, dass das scheiße ist. Und dann höre ich sie sagen, dass solche Kandidaten meist schon einen Monat später zur Einschläferung kommen.

Februar.

Sie fragt mich eine Liste von Symptomen ab. Ich kann nur verneinen, nichts davon zeigt er.

Er sei ein Grenzfall. Ich könnte in die Tierklinik, man könne versuchen es zu operieren.

Februar, Zufallsbefund.

Ich fahre zwei Tage später in die Tierklinik, den Termin macht meine Tierärztin direkt für mich aus. In der Klinik brauche ich nach dem Gespräch mit der Ärztin ein paar Minuten, ich kann keine Entscheidung treffen.

Diese paar Minuten später entscheide ich mich gegen mein Bauchgefühl, lasse ihn sedieren. Wenig später werde ich angerufen. Der Turmor lasse sich ganz gut abgrenzen, die Zunge selbst sei nicht befallen, ich willige in eine OP ein. Alles geht gut.

Februar. Erleichterung.

Der Kater gibt sich wie immer, alles ist toll.

Dritter postoperativer Tag. Der Kater stellt das Fressen fast komplett ein, alles kippt. In die falsche Richtung.

Nach täglichen Tierarztbesuchen, Infusionen und einer unerschütterlichen Tierärztin folgt ein Schlaganfall. Ein leichter. Ein Schlaganfall.

Februar, ich schreie, schreie, schreie.

Schnelle Infusion in Form von zwei Spritzen. Über das Wochenende abwarten, in welche Richtung es sich bewegt lautet die Antwort auf meine Frage, wie lange wir das noch versuchen sollen. Natürlich denke ich an Euthanasie.

Nur Februarstunden später und es geht bergauf. Wie ausgewechselt, fast der Alte.

Februar…

Sonne im März. Ein Kater gähnt herzhaft. Und ich kann es nur drei Wochen nach der OP sehen. Der Tumor wächst nach.

März stellt keine Fragen mehr. März schafft nur noch Fakten.

Ach Gambit…

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Krebs im 8. Monat

Im Juni vergangenen Jahres fragte ich die Onkologin der Tierklinik, wie lange Athelas noch zu leben hätte, wenn wir keine Chemo machen und mit Kortison behandeln würden. Ihre Antwort lautete: „Vielleicht 6 Monate.“

Das Kortison holte ich am 13. Juni bei meiner Haustierärztin ab, ohne Athelas, den Transport wollte ich ihm zu gerne ersparen. Wir sprachen über die Erkrankung und auch darüber, welche Nebenwirkungen eintreten können und das die Belastbarkeit des Halters ziemlich beansprucht werden und man auch dort Grenzen erreichen kann.

Als ich die Tierarztpraxis verließ, liefen mir einfach nur die Tränen über das Gesicht. Mitten auf der Straße. Es war das letzte Medikament, die letzte Therapie für Athelas. Danach kam nichts mehr. Das zu akzeptieren fällt schwer und tut weh.

Wir begingen wie mit der TÄ besprochen mit der Kortison-Therapie. In den ersten beiden Tagen Höchstdosis, dann nach jeweils drei Tagen die Dosis halbieren, bis man eine Dosis von einer Vierteltablette alle zwei Tage erreicht hat. Das wäre der Optimalfall, sagte meine TÄ.

Die ersten Wochen waren die Schlimmsten, die Kortisontage haben Athelas doch sehr schläfrig gemacht. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis sich sein Körper daran gewöhnt hat. Aber dann…

Es ist unglaublich, was dieses Teufelszeuzg anstellen kann, ich bekam meinen alten Kater wieder, der frisst und trinkt und spielt und seinen Bruder durch die Bude jagt. Das Leberdiät-Trockenfutter habe ich nach zwei Monaten eingestellt. Er sollte fressen, was er mag und wenn sein Leben dadurch ein paar Tage kürzer wird, was soll’s, dann ist es eben so.

Heute haben wir bereits 8 Monate Therapie hinter uns, darin auch ein paar Tiefs enthalten, die wir aber alle nach ein paar Tagen überstanden haben. Athelas bekommt heute eine Vierteltablette Kortison täglich. Manchmal gibt es auch tablettenfreie Tage. Zusätzlich bekommt er 2 Hepato K pro Tag. Die hat er mal eine ganze Weile gerne und vor allem selbstständig gefressen, jetzt leider nicht mehr, ich muss sie in Wasser auflösen und per Spritze ins Maul geben.

Es kommt immer wieder vor, dass ihm etwas nicht mehr schmeckt, Wochen später dann aber doch wieder. Man probiert dem Tier zu Liebe sehr viele Futtersorten und -varianten aus 😉

Bis heute frisst und trinkt er, spielt gerne und jagt auch mal seinem Bruder hinterher oder verscheucht ihn von seinen Lieblingsplätzen, sitzt vor der Balkontür und beobachtet die Vögel am Futterhaus (oder jagt ihnen hinterher, wenn die Balkontür offen ist 😉 ). Es geht ihm gut, und solange dies so ist, soll er es genießen können.